Ressourcen im Fokus: Zusammenarbeit mit Vietnam
Vietnam im Forschungskontext
Vietnam zählt zu den dynamisch wachsenden Industrie- und Urbanisierungsräumen Südostasiens. Das starke Stadtwachstum und der Ausbau der Infrastruktur erhöhten den Druck auf Ressourcen (z. B. Sand/Kies) und stellten Städte und Regionen vor komplexe Umweltaufgaben – von Abfall- und Deponiemanagement bis zu Folgen von Rohstoffgewinnung und Bergbau. Damit wurden insbesondere die ressourcenintensiven Metropolregionen um Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt zu relevanten Praxis- und Forschungsfeldern für angewandte Ingenieurökologie.
Kooperationsbeginn und Partnerinstitutionen
Die Zusammenarbeit mit Vietnam besteht seit 2008: Erste Kontakte entstanden im Rahmen einer Unternehmerreise nach Vietnam unter dem Dach von SAXUTEC e. V. und der IHK, an der Dr. Petra Schneider damals als Vertreterin des Chemnitzer Unternehmens C&E teilnahm. Daraus entwickelten sich Netzwerke mit späteren Projekt- und Hochschulpartnern. Die Kooperation wurde anschließend an der Hochschule Magdeburg-Stendal weitergeführt und ausgebaut. Mit der Industrial University of Ho Chi Minh City (IUH) besteht zudem seit 2018 eine formalisierte Kooperationsvereinbarung.
Thematische Schwerpunkte der Zusammenarbeit
Im Mittelpunkt der Partnerschaft stehen angewandte Umweltforschung und praxisnahe Lösungen für Ressourcen-, Abfall- und Stoffstrommanagement. Ergänzend werden Forschungsaufenthalte, Austauschformate und Studierendenmobilität genutzt, um Kompetenzen und Lösungsansätze in beiden Ländern weiterzuentwickeln.
Bisherige Themenfelder und Projekte
- Abfall- und Deponiemanagement
Projekt SAFEUSE – Bedarfsgerechte Ansätze und Methoden zur Sicherung und Nachnutzung von Deponien in Vietnam am Beispiel der Deponie Gò Cát in Ho Chi Minh City (3 Jahre, 2013–2016)
Im Rahmen von SAFEUSE erarbeiteten die Projektpartner Handlungsoptionen, um die Nachsorge stillgelegter Deponien fachlich abzusichern und Nachnutzungen planbar zu machen. Am Beispiel der Deponie Gò Cát wurden konzeptionelle Maßnahmen entwickelt, die Risiken für Umwelt und Stadtentwicklung reduzieren. Dabei standen u. a. optimierte Rekultivierung, Sickerwasserbehandlung und die Verringerung von Treibhausgasemissionen im Fokus. Das Projekt stärkte zudem Wissens- und Austauschformate sowie die Einbindung lokaler Akteure.
Foto: Prof. Dr. Petra Schneider
- Mineralische Rohstoffe für die Bauwirtschaft – Stoffströme, Gewinnung, Umweltwirkungen
Projekt MAREX – Management der Gewinnung mineralischer Baurohstoffe in der Provinz Hòa Bình – ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Vietnam
Im Projekt MAREX wurden Stoffströme der Baustoffindustrie im Raum Hanoi erfasst und deren Umweltwirkungen sowie daraus resultierende Landnutzungskonflikte analysiert. Empirische Fallstudien in der Provinz Hòa Bình bildeten die Grundlage, um Belastungen, Konfliktlagen und technische Minderungsoptionen systematisch zu bewerten. Die Projektpartner setzten Methoden der Stoffstromanalyse ein, um Bedarfe an mineralischen Rohstoffen besser abzuschätzen und Planungsprozesse zu unterstützen. Zudem wurde die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Verwaltung („Business-Policy Interface“) ausgebaut.
Foto: Prof. Dr. Petra Schneider
Projekt SAND! – Alternative Sandproduktion und Risikoreduzierung des Nassbaggerns in Vietnam (3 Jahre, 2019–2022)
Im Rahmen von SAND! untersuchten die Projektpartner, wie sich die Umweltauswirkungen der Sandgewinnung durch Nassbaggern im Mekongdelta verringern lassen. Dazu wurden technologische und managementbasierte Ansätze entwickelt und modellgestützte Szenarien zur Risikominimierung erarbeitet. Parallel wurden Alternativen zur Sandgewinnung (z. B. Recycling, Brechsand) bewertet und Primär- sowie Sekundärrohstoffe bilanziert. Zusätzlich wurden Ansatzpunkte für regulatorische und qualitätssichernde Rahmenbedingungen abgeleitet, um mineralische Ersatzbaustoffe breiter nutzbar zu machen.
Foto: Prof. Dr. Petra Schneider
- Bergbauliche Rückstände & Strahlenschutz
Projekt: RENO-TITAN – Verwertung von NORM-Rückständen der Titanindustrie in Vietnam (3 Jahre, 2023–2026)
Im Projekt RENO-TITAN untersuchte das Konsortium, wie NORM-haltige Rückstände (NORM = Naturally Occurring Radioactive Material) aus der Gewinnung und Aufbereitung titanreicher Schwermineralsande in Vietnam sicher gehandhabt werden können. Ausgangspunkt waren praktische und regulatorische Unsicherheiten im Umgang mit der natürlichen Radioaktivität in dieser Branche. Die Arbeiten umfassten die Analyse des rechtlichen Rahmens, die Durchführung von Umweltbewertungen sowie die Prüfung von Verwertungs- und Entsorgungsoptionen. Konkret testeten die Partner immobilisierende Materialien für eine langfristig sichere Verwahrung der Rückstände. Parallel dazu wurde das Potenzial kreislaufwirtschaftlicher Ansätze untersucht, indem die Eignung der Rückstände als Ersatzbaustoffe bewertet wurde – vorausgesetzt, dass von ihnen dauerhaft keine radiologische Gefahr ausgeht.
Foto: Prof. Dr. Petra Schneider

